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Sicherheit deutscher KKW gegen terroristische Anschläge PDF Drucken E-Mail
Hoch lebe der Vorgang!
Autor: Bernardo M.   
Mittwoch, den 30. März 2011 um 17:20 Uhr

Aus aktuellem, traurigen Anlass wird zur Zeit wieder zu Recht über die Sicherheit von Kernkraftwerken diskutiert. Die Bundesregierung wird nicht müde, zu versichern, dass die deutschen Kernkraftanlagen sicher seien. Das haben im Übrigen alle Bundesregierungen auch in der Vergangenheit immer wieder gebetsmühlenartig beteuert.

Lediglich einmal gab es „akuten Handlungsbedarf“. Nach den Terrorangriffen am 9.September 2001 in den USA brach in Deutschlands Politik und Verwaltung ungebremster Aktionismus aus. Neben einer ganzen Reihe teils hoch unsinniger Regelungen, kümmerte man sich auch um die Sicherheit deutscher Kernkraftwerke gegen Terrorangriffe aus der Luft.

 

Luftverkehrsordnung sichert deutsche Kernkraftwerke

Der nicht mehr ganz so junge Leser mag sich an dieser Stelle vielleicht noch an die Zeit erinnern, als die nukleare Energieerzeugung in Deutschland eingeführt wurde. Damals, in den frühen 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde verkündet, die Stahlbetonkuppeln der Kraftwerke seine so stabil, dass ihnen auch der Aufprall eines abstürzenden großen Verkehrsflugzeuges oder einer überschallschnellen Militärmaschine keine Beschädigung beibringen könne. Das scheint jetzt nicht mehr zu gelten. Hat man uns damals belogen? Aber lassen wir diesen Gedanken. Vielleicht gibt es ja neue Erkenntnisse, vielleicht sind die Stahlbetonhüllen mittlerweile zu stark gealtert, vielleicht sind die modernen Flugzeuge in dieser Hinsicht gefährlicher. Und im Übrigen kann man Sicherheit ja nicht hoch genug ansetzen. Schön, dass unsere Regierung uns auch hier schützt.

Flugsperrgebiet um KKWAlso suchte man eine Lösung, um terroristische Angriffe auf Kernkraftwerke aus der Luft zu verhindern. Und die fand man im § 11 LuftVO (Luftverkehrsordnung). Nach dieser Regelung kann das Verkehrsministerium „wenn dies zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere für die Sicherheit des Luftverkehrs, erforderlich ist“ Luftsperrgebiete festlegen. Und das tat man. Mit NfL (Nachrichten für Luftfahrer) I 159/03 wurde die erstaunte und dankbare Öffentlichkeit am 12. Juni 2003 davon unterrichtet, dass nunmehr der Luftraum um und über Kernkraftwerken gesperrt ist. Seitdem darf in dem Luftraum  in einem Abstand von 1,5 bis 2 km zum Kraftwerk und bis zu einer Höhe von knapp 700 m nicht mehr geflogen werden. Denken Sie sich einen entsprechend großen Zylinder, der über das Kraftwerk gestülpt wurde, dann haben Sie eine ganz gute Vorstellung des Luftsperrgebietes. In diesem Zylinder ist es übrigens auch verboten, Modellflugzeuge fliegen zu lassen.

 

 

 

 

Die Sinnfrage

Lassen Sie uns über diese Regelung kurz nachdenken. Nach allgemeinen Vorstellungen haben Rechtsnormen verständlich, sinnvoll, angemessen und zweckmäßig zu sein.

Die Regelung der Flugsperrgebiete soll verhindern, dass Kernkraftwerke von Terroristen aus der Luft angegriffen werden. Wie kann sie das?
Da wäre zum Einen der strafrechtliche Aspekt. Gesetzliche strafbewehrte Verbote sollen ja auch durch die Strafandrohung den potenziellen Täter von der Durchführung der geplanten Straftat abschrecken. Der Durchflug durch die Sperrzone kann nach § 62 LuftVG (Luftverkehrsgestz) mit Haftstrafe bis zu 2 Jahren geahndet werden.

Nun war es ja vor dem 12. Juni 2003 unzweifelhaft auch schon verboten, dass  sich Terroristen mit Flugzeugen auf Kernkraftwerke stürzen. Tun sie das jetzt, können sie nun zusätzlich auch noch wegen unzulässigen Durchfliegens eines Luftsperrgebietes bestraft werden.
Glaubt der deutsche Verordnungsgeber tatsächlich, ein zu Allem entschlossener terroristischer Selbstmordattentäter würde sich durch eine solche zusätzliche Strafandrohung von seiner Tat abhalten lassen? Nein, das ist kaum vorstellbar. Eine solch naive Verwaltung hätte längst vor allen Kreditinstituten Halteverbotszonen eingerichtet, um Banküberfälle zu verhindern.

Sinn, Angemessenheit und Zweckmäßigkeit dieser gesetzlichen Regelung müssen also wohl in anderen Aspekten zu finden sein. Also lassen Sie uns weiter nachdenken.

Vielleicht ist es ja so, dass etwas gegen Attentäter unternommen werden kann, wenn sie in das Sperrgebiet einfliegen. Wieviel Zeit bliebe für ein solches Eingreifen? Nehmen wir mal – großzügig aufgerundet – die größte Entfernung vom Rand des Sperrgebietes bis zum Kraftwerk mit 2.500 Metern an. Ein übliches Verkehrsflugzeug hat eine Reisegeschwindigkeit in der Größenordnung von 700 – 800 km/h. Rechnen wir nur mit 600 km/h, dann legt es die 2.500 Meter in 15 Sekunden zurück.

Aber vielleicht geht es ja gar nicht um Verkehrsflugzeuge. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Sperrzone nach Instrumentenflugregeln - und Verkehrsflugzeuge fliegen grundsätzlich nach Instrumentenflugregeln - ganz legal durchflogen werden darf.

Vielleicht geht es ja um die Allgemeine Luftfahrt. Deren Flugzeuge sind zwar kaum für Attentate geeignet. Masse und Geschwindigkeit dieser Fluggeräte ergeben einfach eine zu geringe Aufprallenergie. Damit könnte ein Selbstmordattentäter vielleicht leichte Fassadenschäden an einem Wohnhaus verursachen, mehr aber auch kaum. Das scheinen auch die Terroristen zu wissen, denn es ist noch nie ein Terrorakt mit einem Fluggerät der Allgemeinen Luftfahrt auch nur versucht worden. Mit PKWs und LKWs hingegen häufig. Aber das ist wieder eine andere Story.

Aber vielleicht könnte ja der Attentäter das Flugzeug mit 200 kg irgendeines hochbrisanten Explosivstoffes beladen haben und sich damit auf das Kernkraftwerk stürzen. Also schauen wir uns auch die Allgemeine Luftfahrt noch an. Nehmen wir als Beispiel das am meisten gebaute Flugzeug der Welt, die Cessna 172, sozusagen der VW-Käfer unter den Flugzeugen. Dieses Modell hat je nach Ausführung Reisegeschwindigkeiten zwischen etwa 200 und 250 km/h. Rechnen wir nur mit 150 km/h – wir wollen den Behörden ja Zeit zum Eingreifen lassen – dann sind die 2.500 Meter in einer Minute überwunden.

Abwehrmöglichkeiten?

Also: die maximale Reaktionszeit liegt – je nach terroristischem Fluggerät – zwischen 15 Sekunden und einer Minute. Was kann in dieser Zeitspanne geschehen? Wer könnte überhaupt eingreifen? Polizei oder Luftwaffe? Die Luftwaffe hat zwei Alarmrotten im Bereitschaftsdienst. Die Eine befindet sich in Neuburg in Bayern, die andere in Wittmund. Deren Schnellreaktionszeit beträgt 15 Minuten. Wir können daher unser Gedankenexperiment hier abbrechen. Weitere Fragen, wie : Wie lange brauchen die Jäger um zum Tatort zu gelangen? Wie sicher kann die terroristische Bedrohung identifiziert werden? Wie lange brauchen die militärischen Führungsstellen, um eine angemessene Reaktion anzuordnen? Was soll und kann die Jägerbesatzung eigentlich vor Ort überhaupt machen? erübrigen sich.

Ist es vielleicht doch so, dass diese Gesetzesnorm unverständlich, unsinnig, unangemessen und zwecklos ist?

Bundesregierung beliefert Terroristen mit Zielekatalog

Aber der Clou kommt erst noch.
Damit der gesetzestreue Normalpilot wie Du und Ich diese Sperrgebiete berücksichtigen kann, muss er natürlich wissen, wo sich die denn befinden. Folglich sind sie akurat in den Luftfahrtkarten durch rot schraffierte Kreise gekennzeichnet, mit hochgenauen GPS-Postionsangaben im Handbuch.

Sollten Sie sich also – aus lauteren oder terroristischen Gründen- für die genauen Standorte aller in Betrieb befindlicher deutschen Kernkraftwerke interessieren, dann kaufen Sie sich eine Luftfahrtkarte. Die gibt es im einschlägigen Fachhandel gegen bar über die Ladentheke oder in Internetshops, aber auch gleich bei der Deutschen Flugsicherung. Hier zwei Ausschnitte für das beliebte Spiel „Such das KKW“

KKW Biblis in der ICAO Karte

KKW Phillipsburg in der ICAO Karte

Werden wir von Schildbürgern regiert?

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 30. März 2011 um 18:52 Uhr
 

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